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Positionspapier der Fachleiterinnen und Fachleiter Sport zur Qualität der (Sport-) Lehrerausbildung

Datum:
24.06.2008



Positionspapier der Fachleiterinnen und Fachleiter Sport im Regierungsbezirk Köln zur Qualität der (Sport-) Lehrerausbildung in der Reform der Lehrerausbildung

 

 

1. Warum dieses Positionspapier?

 

Die Fachleiterinnen und Fachleiter Sport im Regierungsbezirk Köln stimmen dem Ziel der Reform, die Qualität der Lehrerausbildung nachhaltig zu verbessern, uneingeschränkt zu. Sie begrüßen die Absicht, bewusst auf „größere Praxisnähe und reflektierte Praxisorientierung“ zu setzen, um den Berufsfeld- und Praxisbezug zu stärken. Viele Studienseminare haben diesen Weg vorab eingeschlagen und können hier bereits gute Ergebnisse vorweisen.

 

Die in den „Grundlagen und Grundsätzen“ des MSW und des MIWFT vom 11. September 2007 formulierten Veränderungsvorschläge halten wir allerdings nur für eingeschränkt geeignet, eine Stärkung der Professionalität, eine deutlichere Profilierung wie auch eine größere Praxisnähe der Ausbildung zu erzielen. Im Folgenden werden wir diesen Standpunkt auf der Basis der konkreten Erfahrungen in der Kooperation zwischen den Fachleiterinnen und Fachleitern des Regierungsbezirks Köln und dem Sportlehrerausbildungszentrum (SpaZ) der Deutschen Sporthochschule Köln als Vertreter der ersten und der zweiten Phase der Lehrerausbildung verdeutlichen.

 

Die Fachleiterinnen und Fachleiter Sport des Regierungsbezirks Köln blicken seit einigen Jahren auf eine fruchtbare Kooperation mit der Deutschen Sporthochschule und dem dortigen Sportlehrerausbildungszentrum (SpaZ) zurück. Ziel und Zweck dieser Kooperation bestand darin, Transparenz für die Arbeit in der jeweils anderen

Phase zu erzielen, Anforderungen aus Sicht der Lehramtsanwärter und Lehramtsanwärterinnen auf die universitäre Ausbildung deutlich zu machen und ein Nachdenken über geeignete Lösungen anzuregen. Erste strukturelle Veränderungen in der Gestaltung der universitären Phase wurden in Arbeitsgruppen erarbeitet, in denen Vertreter beider Institutionen zusammentrafen. Dabei wurde immer wieder auf das Know-how der Fachleiterinnen und Fachleiter zurück gegriffen, die über Erfahrungen in kompetenzorientierter Arbeit in den Fachseminaren Sport, Auswertungsgesprächen nach Unterrichtsbesuchen und Begleitung von Referendaren und Referendarinnen im selbstständigen Unterricht verfügen.

 

2. Das Positionspapier - Warum zu dieser Zeit?

 

Die jüngst beschlossene Reform der Lehrerausbildung könnte nach unserer Ansicht Verantwortlichkeiten und Ressourcennutzungen in Richtung Hochschule verschieben, ohne dabei die bestehenden  Möglichkeiten und Qualitätsangebote sowohl der Hochschule als auch der Studienseminare sorgfältig zu prüfen. Zu befürchten ist auch,  dass Kostenerwägungen eine größere Rolle spielen als die Erhebung von Kompetenzressourcen.

 

Vor dem Hintergrund angestrebter Qualitätssicherung und Qualitätssteigerung unter gleichzeitig veränderten Rahmenbedingungen muss es gelingen, die ausgewiesenen Kompetenzen der Fachleiterinnen und Fachleiter der Studienseminare zu nutzen. Wir sind der festen Überzeugung, dass die Fachleiterinnen und Fachleiter Sport mit ihrer Arbeit am ehesten dazu beitragen können, Studentinnen und Studenten z.B. im Rahmen des Praxissemesters mit den Anforderungen und Chancen des Berufsfeldes vertraut zu machen. Die eigene Nähe zur schulischen Praxis, die aus der Praxis heraus reflektierte Fachdidaktik und Fachtheorie sowie die bestehende Beratungskompetenz sind aus qualitativer Perspektive für die zukünftige Lehrerausbildung unverzichtbar.

 

 

 

3. Welche Qualitätsaspekte sind zu fordern?

 

 

3.1      Anforderungen an eine praxisorientierte Fachdidaktik Sport

 

Ein fachdidaktisches Angebot im Rahmen der Masterphase sollte von den Fachleiterinnen und Fachleitern bereit gestellt werden, weil sie als Experten, bzw. Expertinnen Themen und Gegenstände aus einer erprobten und erfahrenen Praxis heraus darlegen können. Erst dann kann eine an Standards und Kompetenzen orientierte Ausbildung erwachsen, die u.a. auch einen eventuell zu verantwortenden, eigenständigen Einsatz bereits zu Beginn der zweiten Phase in der Schule gewährleistet.

 

 

3.2      Anforderungen an das berufsqualifizierende Praxissemester

 

Das in der Masterphase vorgesehene Praxissemester muss sich an realen Kriterien der baldigen Handlungsfähigkeit im Beruf orientieren, die nur die Fachleiterinnen und Fachleiter aus jahrelanger, intensiver Praxis an den unterschiedlichsten Schulen und Schulformen mitbringen.

 

Als konkrete Instrumente und Ansatzpunkte für ein Praxissemester kommen nach Ansicht der Fachleitungen Sport folgende Aspekte in Frage:

·        Fachleiterinnen und Fachleiter verfügen als aktiv praktizierende Lehrerinnen und Lehrer über Kompetenzen, die sie im Rahmen gezielter Hospitationen modellhaft präsentieren können und unter Beachtung gemeinsam reflektierter Kriterien mit Referendarinnen und Referendaren analysieren.

·        Ausgewählte Lehrerhandlungssituationen im Bereich des Unterrichtens werden unter Beachtung von definierten Qualitätsstandards erprobt.

·        Lernportfolios werden im Rahmen des Praxissemesters entwickelt, eingesetzt und hinsichtlich der weiteren individuellen Entwicklung ausgewertet.

·        Kurze Unterrichtssequenzen werden gemeinsam geplant, umgesetzt, reflektiert und dienen der vertieften Entwicklung des didaktisch-methodischen Verständnisses von Sportunterricht.

·        Lernberatung wird im Zusammenhang mit konkreten Unterrichts- und Selbsterfahrungen durchgeführt.

·        Reflexionsbasierte Ausbildungsinstrumente (Videogestützte Reflexion, Teilsimulationen, narrativ-gestützte Reflexion, Micro-Teaching) werden gezielt und kompetenzfördernd im Sinne einer Vernetzung von Lernerfahrungen eingesetzt.

 

 

3.2             Ressourcen und Beiträge der Fachleiter und Fachleiterinnen

 

Die Fachleiterinnen und Fachleiter Sport verfügen über

 

·        einen langjährigen schulischen Hintergrund und damit über profunde Systemkenntnisse mit einer differenzierten fach- und allgemeindidaktischen Kompetenz zur  Analyse der Praxis (vertiefte Praxis-Theorieverknüpfung)

·        spezifische beraterische Kompetenzen, die häufig über Zertifizierungen in anerkannten Zusatzausbildungen abgesichert sind

·        eigene praktische Unterrichtserfahrungen, die als Modell im Sinne von „best practise“, aber auch als Medium zur Auseinandersetzung über Kriterien guten Unterrichts genutzt werden können

·        eine profunde und sichere Kenntnis über schulsystemische Bedingungen und Zusammenhänge, häufig nicht nur an einer Schulform.

 

 

4. Abschließende Perspektiven und Forderungen

 

 

Die Fachleiterinnen und Fachleiter Sport des Regierungsbezirks Köln erachten die im Rahmen des Projekts „Brücken bauen“ bisher geschaffenen Instrumente der Zusammenarbeit zwischen der DSHS Köln und den Studienseminaren des Regierungsbezirks Köln grundsätzlich als sinnvoll.

 

Um diese Kooperation auch weiterhin fortsetzen zu können, sind aus unserer Sicht klare strukturelle Regelungen auf institutioneller Ebene notwendig.

Aufgrund der noch nicht geklärten institutionellen und strukturellen Bedingungen beschließen die Fachleiter und Fachleiterinnen Sport, das Projekt „Brücken bauen“ in der jetzigen Konzeption vorläufig auszusetzen.

 

Die Fachleiterinnen und Fachleiter fordern, an der konzeptionellen und inhaltlichen Ausgestaltung einer neuen Lehrerausbildung mitzuwirken, damit der hohe Qualitätsstandard von Lehrerausbildung gesichert bleibt. Dies betrifft insbesondere alle Ausbildungsanteile, die im Lernfeld Schule angesiedelt sind.

 

 

 

Die Fachleiterinnen und Fachleiter Sport im Regierungsbezirk Köln